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Schulanfang und Zuckertüte

Die Ausstellung ist ganz dem ersten Schultag verschrieben, wie er in Deutschland seit Anfang des 19. Jahrhunderts zuerst vereinzelt, inzwischen überall gefeiert wird. Zugrunde liegt die Sammlung des Hamburger Lehrers Hans-Günter Löwe, der seit über dreißig Jahren alles rund um diesen Brauch zusammenträgt.

Schulanfang und Zuckertüte ©Stadtmuseum Jena

Mit dem ersten Schultag beginnt nicht nur der „Ernst des Lebens“, sondern hier wird auch der Grundstein gelegt für die Freude am Lernen, für Entdeckergeist und Forschungsdrang. Mit dem Erwerb der Techniken des Lesens und des Schreibens steht das Fundament, auf dem Wissenschaft erst gelingen kann.

Da dürfen vor allem die Schultüten nicht fehlen. Der erste Beleg hierfür stammt sogar aus Jena: 1817 bekamen einzelne Kinder kleine Papiertüten mit Gebäck. Diese wurden entweder überreicht oder von einem Baum im Schulgarten „gepflückt“. Der Brauch, gefüllte Tüten zur Einschulung zu schenken, verbreitete sich von Thüringen und Sachsen nach Schlesien und Böhmen. Außerhalb dieser Gebiete waren Schultüten vor 1910 nur vereinzelt anzutreffen. Je nach Gegend erhielten die Kinder andere Geschenke zum ersten Schultag, vor allem Gebäck: große Brezeln oder Buchstaben zum Aufessen. Aber auch Teller und Tassen, die noch lange danach an den wichtigen Tag erinnerten, wurden den Kindern überreicht. Schulanfang tauchte ab 1920 auch als Thema zahlreicher Bilderbücher auf, und es kamen sogar eigene Brettspiele auf den Markt. Gerade in den ärmeren, ländlichen Gebieten gab es zur Einschulung aber nichts von alledem; es war Geschenk genug, in die Schule gehen zu dürfen. Die Ausstellung verfolgt zunächst den Brauch der Schultüten: von der ersten erhaltenen „Butte“, die um 1880 entstand und nur für Kinder reicher Familien in Frage kam, bis zu den heutigen Exemplaren, wie sie bei keiner Einschulung mehr fehlen dürfen. Auch die Objekte zur Herstellung einer Schultüte – der Entwurf, die Holzkegel zum Formen – sind zu sehen. Einen eigenen Bereich bildet das Thema „Ostern war Schulanfang“. In manchen Gegenden Deutschlands wurden die Kinder bis in die 1960iger Jahre im Frühling eingeschult: zahlreiche Objekte mit Osterhasen, die eine Schultüte tragen, belegen dies. Zur Sammlung Hans-Günter Löwes gehören auch viele tausend Stundenpläne. Die frühen selbst gezeichneten Tabellen wurden seit Anfang des 20. Jahrhunderts meist von gedruckten und ansprechend gestalteten Stundenplänen abgelöst – Werbegeschenke von Firmen, Institutionen und staatlichen Stellen. Die gezeigte Auswahl aus über hundert Jahren vermittelt einen Eindruck von der Vielfalt der Entwürfe und deren zeitgeschichtlicher Gebundenheit.

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